firstgen an der Humboldt Universität zu Berlin

Wir, das Büro der Frauenbeauftragten der Humboldt-Universität zu Berlin, haben mit dem Programm im WS 2011/12 begonnen. Damals richtete es sich ausschließlich an Studentinnen. Dieses Programm lebt auch heute weiter, es richtet sich jedoch nun an Studierende aller Geschlechter.

Das Leben an der Universität ist neu und unvertraut. Für firstgen-Student_innen kommt erschwerend dazu, dass sie in ihrer Herkunftsfamilie oft niemand haben, der diese Erfahrung mit ihnen teilt. Viele Fragen tauchen auf, wie die nach der Finanzierung und Organisation des Studiums.

Der französische Soziologe Pierre Bourdieu (1930-2002) hat sich intensiv mit der Bedeutung von sozialer Herkunft auseinandergesetzt. Er kam selbst aus einer nichtakademischen Familie und beschäftigte sich unter anderem mit der sozialen Situation an französischen Universitäten.  In „die Illusion der Chancengleichheit. Untersuchungen zur Soziologie des Bildungswesens am Beispiel Frankreich“ beschrieb er seine Beobachtungen.

Wichtig sind bis heute seine Überlegungen zum Habitus. Damit bezeichnete er das gesamte Auftreten einer Person und stellte fest, dass dieser Habitus immer auch mit der Herkunft in Zusammenhang steht. Menschen an der Universität haben in den meisten Fällen einen eher bürgerlichen Habitus, der  Student_innen mit einem nichtakademischen Hintergrund fremd ist. Das kann zu Konflikten führen. Weiter erklärt Bourdieu, dass Menschen, abhängig von ihrem Hintergrund, über ökonomisches, soziales und kulturelles Kapital verfügen, oder eben auch nicht. Mit diesen strukturellen Ungerechtigkeiten, dazu gehören neben der Kategorie soziale Herkunft auch die Kategorie Geschlecht und Rassismus, möchten wir uns in diesem Programm produktiv auseinandersetzen. Das kann auf einer wissenschaftlichen Ebene passieren, im Gespräch oder darin, dass wir unsere Erfahrungen zu teilen. Wir möchten schließlich zeigen, wie heterogen und vielfältig wir sind.

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